360°-Dokumentation für den NDR – Operation am offenen Herzen

Im März dieses Jahres traten einige Redakteure des NDR mit der Idee an uns heran, eine 360°-Dokumentation zu drehen. Eine Dokumentation über eine Herzoperation sollte es sein. Keine Frage, dass wir sofort Feuer und Flamme für dieses Projekt waren. Nach langer Phase des Planens und Produzierens ging das gute Stück nun endlich, am 9. August, online. Die Doku trägt den Titel „Am offenen Herzen“ und wir freuen uns sehr über das Ergebnis. Zum vollständigen Film geht es über diesen Link.

„Am offenen Herzen“ – Trailer

„Am offenen Herzen“ spielt mit neuen Erzählformen. Die 360°-Bilder aus dem OP wurden durch sogenannten Hotspots erweitert. Diese, in der gesamten Dokumentation verteilten Infopunkte, können vom Zuschauer angeklickt werden, wodurch sich weitere, dahinter liegende Filme öffnen. So kann man zum Beispiel Interviews mit dem Patienten, den Ärzten oder 3-D Animationen des Eingriffs sehen. Virtual Reality gepaart mit Interaktivität.

Die Planung eines 360°-Projekts

Redaktionell wurde die Geschichte von der NDR Redaktion BOX geleitet, realTV übernahm die technische Seite: die Kamera und das Stiching, also das Zusammensetzen der einzelnen Teile zu einem 360°-Gesamtbild in der Postproduktion. Die Planung des Drehs nahm einige Zeit in Anspruch, denn neben einem Krankenhaus und Ärzten die unserem Filmprojekt aufgeschlossen gegenüber standen, musste natürlich auch ein passender Patient gefunden werden, der dem Filmen bei einem hochkomplizierten Eingriff an seinem Körper zustimmt. Schließlich erklärte sich Helmut Buchholz bereit. Bei ihm musste eine künstliche Aorta eingesetzt werden, da seine drohte einzureißen. Im Mai wurde er im Universitätsklinikum Eppendorf operiert.

Virtual Reality trifft Operationssaal

360°-Video aus dem OperationssaalDer Dreh war, das kann man ohne Zweifel behaupten, auch für uns etwas ganz Besonderes. Ein Operationssaal bleibt in der Regel für Nicht-Mediziner streng gesperrt. Einmal einen Blick dorthin werfen zu können, wo es oft um Leben und Tod geht, war ein bewegender Moment für uns. Unser Experte in Sachen Virtual Reality, Christian Biernath-Wüpping der sich dieses Projektes annahm, erzählte uns wie er den Tag erlebte: „Damit wir in den Operationssaal durften, mussten wir uns zunächst entsprechend umziehen. Natürlich kann man da nicht einfach in Straßenkleidung hineinspazieren, also hieß es für uns erst mal: Rein in die Chirurgenkluft.“ Hose, T-Shirt, Haube und Mundschutz – alles in schickem OP-Grün – angelegt, ging es dann los. 

Bevor die Ärzte und der Patient in den Operationssaal kamen, mussten rasch alle technischen Einstellungen gemacht werden, denn wiederholen konnten wir ja während der Operation schlecht. Eine 360°-Kamera positionierten wir nahe am Kopf des Patienten, eine Go-Pro fixierten wir an einer Operationsleuchte direkt über dem OP-Tisch, um jeden einzelnen Arbeitsschritt am Herzen aus der Vogelperspektive dokumentieren zu können. Die anwesenden Ärzte und Assistenten wurden mit Mikros verkabelt, um auch die Kommunikation innerhalb des Teams festgehalten werden konnte und die Ärzte für die Zuschauer erklärende Kommentare beisteuern konnten.

Die Knochensäge

Kameramann Christian war während der Operation nicht nur zum Einrichten der Kameras im OP sondern durfte den Chirurgen auch ab und an über die Schulter schauen. Mulmig wurde es ihm dabei nicht. „Im Gegenteil,  ich fand es sogar unglaublich spannend“, erzählte er uns „Es ist eigentlich eine ziemlich abstrakte Sache, so eine Herz-OP. Man sieht unter all den Tüchern den Patienten nicht und vergisst manchmal fast, dass hier ein Mensch liegt.“ Alleine die Knochensäge, mit der dem Patienten zu Beginn der Brustkorb aufgesägt wurde, habe ihm kurz einen Schrecken eingejagt. „Um die Tonaufnahme mitzuverfolgen hatte ich ständig Kopfhörer im Ohr. Als der Chirurg die Knochensäge ansetzte wäre jedoch ich fast vom Hocker gefallen. So wie ein Zahnarztbohrer, nur schlimmer.“

Die Operation verlief ohne Komplikationen und der Patient konnte den OP mit einem funktionierenden Herzen verlassen.

Merken